Schüleraustausch

7 Wochen im Land des Lächelns

Nach 7 Wochen in Thailand folgt mein zweiter Bericht.
Wird Zeit, da sich sehr viel in meinem Leben hier verändert hat. Zuvor möchte ich mich bei Euch allen für Eure Unterstützung bedanken.
Ohne diese Homepage hätte ich viele Erfahrungen nicht gemacht – Freut mich sehr, dass mein 1. Bericht vielen gefallen hat!
Die grösste Veränderung ist, dass ich seit 3 Wochen hier in die Schule gehe. Für mich ist das aber eine sehr positive Veränderung, da ich meine Schule und meine neuen Freunde sehr mag.
Ich war einen Monat lang “nur” mit den gleichen Menschen in meiner Familie zusammen, hab’ jeden Tag mehr oder weniger das Gleiche gemacht…
Aber seitdem ich in der Schule bin, fühle ich mich hier noch besser und alles macht noch mehr Spass.

In meiner Schule PotisarnPittayakorn müssen alle, wie auf jeder Schule in Thailand, eine Schuluniform tragen. Als ich darüber in Deutschland nachgedacht habe, hat mir der Gedanke nicht so gut gefallen, aber ich bin froh darüber, dass in der Schule jeder gleich rumläuft.
Ich hab meine Schul- und Sportuniformen in den Ferien bekommen und am ersten Schultag war ich sehr stolz, diese tragen zu dürfen.
Als ich 2004 mit meiner Familie auf Koh Samui war, habe ich viele Schüler in Schuluniform rumlaufen sehen und ich wollte schon damals wissen, wie es wohl hier in der Schule ist.
Am ersten Tag in der Schule war ich aufgeregt, da ich niemanden kannte und nicht wusste, was auf mich zukommt.
An meiner Schule fängt das Lernen um 8 Uhr an, aber um 7:30 Uhr müssen alle auf dem Sportplatz zusammenkommen. Alle stellen sich, nach Klassen geordnet, in Reih und Glied auf und der Rektor oder ein Lehrer erzählt, was an diesem und jenen Tag passiert. Danach wird aufgestanden und die Nationalhymne wird gesungen – alles in der Schule steht für diesen Moment still, keiner bewegt sich!
Nach der Nationalhymne folgt der Schulsong von Potisarn.

Als ich am ersten Schultag in die Schule kam, habe ich mich noch den Lehrern vorgestellt, die mich noch nicht kannten und meine Advisorin hat mir ein paar Sachen zum Ablauf meiner Rede am 2. Tag erklärt. Ich wurde dann zum Sportplatz geführt und sollte mich zu meinen neuen Klassenkameraden setzten.

Als ich den Sportplatz betrat, haben sich alle Köpfe umgedreht und viele haben zu schreien angefangen. Ich wusste in dem Moment überhaupt nicht, wie ich mich verhalten sollte, also habe ich einfach nur gegrinst und gewunken… Danach gaben die für bald 20 Sekunden keine Ruhe mehr.
Mir wurde gesagt, dass ich etwas besonderes sein werde, da ich viel grösser als alle meine Freunde bin und blonde Haare habe, aber in dem Moment war das unvorstellbar – wie ein Popstar!!! An diesem Tag war ich nicht für eine Minute allen, da immer sehr viele um mich herum waren und mir Fragen gestellt haben, meine Hand schütteln wollten …
Am Nachmittag habe ich dann noch die letzten Feinheiten für meine Rede ausgefeilt, die ich am 2. Tag auf Thai und Englisch vor allen 2500 Schülern vortragen sollte.
Am 2. Schultag wurde ich von meiner Advisorin gleich in Empfang genommen und auf die Bühne geschickt. Da stand ich dann, 2500 Leute haben mich angeschaut und wollten wissen was der Farang zu sagen hat. Ich habe mich allen vorgestellt und etwas über meine Geschichte erzählt – warum ich hier bin, wie lange ich bleiben werde etc. – Das habe ich zuerst auf Englisch gemacht und danach auf Thai.
Hat alles super geklappt und als ich dann von der Bühne runter war und geklatscht wurde, war ich erleichtert.

26.05.06
Vor 2 Tagen wurde ich aufgehalten weiterzuschreiben, da mein Bruder Tip ins Krankenhaus musste – mittlerweile ist er schon wieder daheim.
Gestern wollte ich meinen Bericht fortsetzten, da aber mein Telefon dauernd klingelte, war mir das nicht möglich. So ein Gefühl kannte ich vorher nicht.
In meinem 1. Bericht habe ich geschrieben, dass das Handy für Thais wie ein Organ ist. Mein Handy ist jetzt auch ein Teil von mir, da es ständig an meinem Ohr ist. Ich komme gerade von der Schule zurück. Heute war ein sehr stressiger Tag.
Während der letzten 2 Wochen hat meine Advisorin meinen Stundenplan ständig erweitert – ich bin jetzt jeden Tag von 7:30 Uhr bis fast 5 Uhr in der Schule. Gestern habe ich erfahren, dass ich ab jetzt jede Woche für 6 Stunden in die Grundschule neben meiner Schule gehen soll, um dort Phatom 1 und 2 in Englisch zu unterrichten. Phatom 1 entspricht bei uns in Deutschland ebenfalls der ersten Klasse.
Allerdings gibt es in Thailand ein anderes System. Nach dem Kindergarten geht man in die Grundschule, Phatom genannt. Die geht meistens bis zur 5.Klasse, danach folgt Mathajom 1-6. In meiner Schule PotisarnPittayakorn lerne ich in M. 4/11, eigentlich sollte ich in M. 5 bzw. 6 sein, da man aber in M. 6 dieses Jahr die Abschlussprüfungen schreiben wird, wurde mir davon abgeraten in dieser Klasse zu lernen.
Gegen Ende des Schuljahrs werden diese Schüler nur noch büffeln müssen um die Prüfungen zu meistern und an einer Uni aufgenommen zu werden.
Also wechsle ich jetzt meistens zwischen M. 4 und M. 5. Dort werde ich aber meistens nur als assistierende Hilfskraft gebraucht – Die meisten Thai Lehrer können nicht gut Englisch, da muss ich dann ab und zu helfen. Sonst sitze ich einfach in der Klasse und lerne Thai Vokabeln.
An meiner Schule gibt es aber ein spezielles Englisch Programm, geleitet von Farang Lehrern (hauptsächlich aus England). Mit den Schülern aus diesem E.P. Programm kann ich mich gut in Englisch unterhalten. Mit anderen Schülern muss ich in einem Mix aus Thai und Englisch sprechen, da ich relativ viel Thai verstehe aber nicht alles sagen kann, was ich will.
Heute bin ich dann zum ersten Mal in Phatom 2 gegangen. Dort wurde ich sehr herzlich von allen empfangen.
Ich kam in das Klassenzimmer, alle Schüler haben mich nur mit grossen Augen angeschaut und gelächelt. Dann hat der Lehrer gesagt, sie sollen mich begrüssen und ich solle möglichst viel auf Englisch sprechen. Das habe ich auch getan und zuerst Sachen wie Good morning, Good afternoon etc. und das ABC auf die Tafel geschrieben.
Nachdem das mehr oder weniger gesessen hat, haben alle angefangen, mir Fragen zu stellen. Kann man sich wahrscheinlich schlecht vorstellen, aber 30-40 Kinder kamen auf mich zu, haben mich angefasst, versucht, die weisse “Farbe- von meinen Armen abzurubbeln. Der Lehrer hat mir gesagt, dass die Kinder noch nie einen Farang (=Westler, Europäer) gesehen haben – manche schon, aber noch nie ein Farang Teenager.
Die Kinder haben mich dann auf Thai gefragt, warum ich blaue Augen, blonde Haare und weisse Haut habe. Ich hab dann erzählt, dass es in Deutschland viel Schnee gibt und nie so heiss ist, wie in Thailand – die anderen Sachen haben sie nicht verstanden, aber der Lehrer konnte mir zum Glück helfen. Die Kids hatten sehr viele Fragen an mich, die ganzen 2 Stunden, die ich dort verbracht habe, haben aber viel Spass gemacht.
Jetzt gehe ich dort 6 Stunden pro Woche hin, als kleine “Entschädigung- wird mir ein Lehrer in 1-2 Stunden davon Muay Thai (Thai Boxen) beibringen. Gestern hat mir schon der Sohn einer Lehrerin die ersten Schritte beigebracht, leider kann er nich jede Woche kommen, da er zur Uni geht.

Mein aktueller Stundenplan sieht so aus:

Monatag: Phatom 1+2 für jeweils eine Stunde in Englisch unterrichten, Buddhism mit Mathajom 1, normaler Unterricht mit M. 4/11, Mittagessen, Kunst, der Rest ist mit M. 4/11. Am Monatag nächster Woche wird wahrscheinlich noch Schwerttanz mit M.2 anstehen – da freue ich mich schon sehr darauf!
Dienstag: 3 Stunden Früchteschnitzen, 2 Stunden Thai Kochen, 2 Stunden EDV mit M. 6/3.
Mittwoch: 1 Stunde privat Unterricht in Thai, Buddhism mit M. 1, jeweils eine Stunde Basketball und Fussball. Danach Mittagessen, 2 Stunden Takraw (thail. Nationalsportart) und 2 Stunden EDV mit M. 6/8.
Donnerstag: 1 Stunde Internet Edu., 1 Stunde Thai Musik (Ich lerne Sor-U zu spielen – hört sich wikrlich toll an! Kann man mit keinem Instrument aus Europa vergleichen, ist aber ein Streichinstrument (mit Kokosnuss Hohlkörper), 1 St. Thai Tanz ( zur Zeit lerne ich Ram Wong ), 1 St. Schulshop Club, Mittagessen, Unterricht mit M.4, 2 Stunden Phatom 1+2 unterrichten, 2 Stunden Französisch – an dem Tag hört die Schule erst um 16:40 Uhr auf!
Freitag: Französisch Club, Thai Unterricht, Sportunterricht, M. 5, Mittagessen, EDV mit M.6/9 und 1 St. Französisch.

Mein Stundenplan ist jetzt sehr voll, ich habe nur noch 4 Stunden regulären Unterricht pro Woche, das wird aber noch weniger werden, da nächste Woche nur Schwerttanz dazukommt. Ich genieße es jeden Tag in die Schule zu gehen, obwohl jeden Tag viel zu tun ist.
Aber ich lerne jeden Tag viel Neues und ich kann mit meinen neuen Freunden zusammen sein. Schule hier in Thailand ist sehr gewöhnungsbedürftig, das komplette Gegenteil von Deutschland. Meine Schule in Deutschland hört meistens um 12:30 Uhr auf, ich muss keine Schuluniform tragen, es gibt einen Stundenplan, der eingehalten wird (hier sitzt man manchmal die ganze Stunde im Klassenzimmer, der Lehrer kommt nicht. Nach der halben Stunde stellt man fest, dass der Unterricht in einem anderne Zimmer stattfindet. Das macht aber keinem was aus, ob da jetzt 1-2 Stunden Unterricht fehlen oder ob der Lehrer nicht kommt. “ Mai pen rai- – Macht nicht’s/ Nimm’s locker.) etc. Man kennt ja die deutschen Schulen.
Hier wird aber sehr viel Wert auf Respekt und auf Disziplin gelegt. Da versteht hier niemand Spass. Wenn man in die Schule kommt, stellt sich jeder in Reihen von jeweils 10 Schülern auf und zeigt den Lehrer seinen Respekt durch den Wai.
Danach geht es auf den Sportplatz, es wird sich nach Klassenstufen und Unterstufen aufgestellt. Es werden ein paar einführende Worte gesprochen, die Nationalhymne und der Schulsong wird gesungen… Da macht auch wirklich jeder Schüler mit.
Die Thai’s sind ein sehr, sehr stolzes Volk! Als ich letztes Jahr in den USA war dachte ich, dass das ein stolzes Volk ist (ist es auch), aber hier sieht man ÜBERALL die thailändische Flagge, die Königsflagge, Bilder von der Königsfamilie… Es wird 2mal täglich die Nationalhymne gesungen, es werden Video’s vom thail. König im Fernsehen gezeigt…
Alles sehr eindrucksvoll und verblüffend, in Deutschland wird die Nationalhymne nie gesungen, viele kennen den Text nicht einmal… Aber hier ist jeder stolz auf sein Vaterland. Zur Zeit sind sehr schwere Regenfälle in Nordthailand mit Erdrutschen und teilweise bis zu 4 Meter (!) Wasser auf den Strassen. Die Bilder werden seit 3 Tagen im TV gezeigt und seit gestern ist auch die Provinz schwer getroffen worden, in dem unser COC ( Cultural Orientation Camp) stattfinden sollte – Lampang.
Heute morgen hat mir mein Vater noch gesagt, dass er mich ungern dorthingehen lässt, dann wurde mir in der Schule gesagt, dass das Camp abgesagt wurde! Sehr schade, die ich so gerne in den Norden gegangen wäre. Wahrscheinlich wird das Camp um ein paar Wochen verschoben, sodass ich nächsten Monat doch noch gehen kann!
Zu einem anderen Thema – Buddhismus ist sehr komplex und für mich kompliziert zu verstehen, es gibt niemanden bisher, der es einem richtig erklären kann. Dennoch genieße ich es jedes Mal, wenn wir in den Tempel gehen und ich neue Bräuche und Rituale kennen lerne.
Zum Glück habe ich in der Schule seit dieser Woche 2 Stunden Buddhismus mit M.1 – ein budd. Mönch von einem nahegelegenen Temepel kommt zu Besuch und lehrt Buddismus in Englisch. Davon erhoffe ich mir Aufschluss auf meine Fragen! In einem Reiseführer, den ich vor meinem Abflug in Deutschland gelesen habe, stand, dass es schätzungsweise 30.000 Tempel in ganz Thailand gibt.
Ich habe hier in Bangkok und in der Umgebung schon einige besucht, darunter auch Wat Phagaeo (den Königspalast in Bangkok) und Wat Luan Pho Sodt in Nakhon Phatom. In dem letzteren Tempel war mein Bruder Don für einen Monat lang Novize. Nach einem halben Jahr in Thailand gibt mir AFS die Chance auch für ein paar Wochen Novize (ein junger Mönch) zu werden.

Diese Chance möchte ich unbedingt wahrnehmen. Am liebsten auch in Wat Luan Pho Sodt, da dieser Tempel abgelegen liegt und es viele Jugendliche Novizen und erfahrene Mönche dort gibt. Falls ich die Chance wahrnehmen kann, werde ich danach einen Bericht über Buddhismus schreiben.



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