Schüleraustausch

Problematiken innerhalb Thailands

Thailand ist ein wunderschönes Land, so facettenreich wie seine Bewohner selbst. Berge im Norden, Meer und Strand um Süden, dazwischen eine riesige flache Region, die zum Anbau verschiedenster Pflanzen genutzt wird und Platz für Thailands Hauptstadt Bangkok bietet.

Nach 4 ½ Monaten in Thailand habe ich soviel gesehen und gehört, dass es auch über die grossen Probleme in diesem Land zu schreiben gibt! Viele dieser Probleme entdeckt man erst dann, wenn man lange genug und genau hinschaut.

Ich will mit dem Thema beginnen, dass für jeden einzelnen von uns überlebenswichtig ist: Wasser .
Wenn man an Südostasien denkt, speziell Thailand, dann kommen einem unter anderem auch die riesigen Regenwälder, Mangroven und der alljährliche Monsun in den Kopf.
Da kann man sich kaum vorstellen, dass es hier Probleme mit/durch Wasser, Wassermangel etc. gibt.
Bei uns in Deutschland ist jeder Haushalt an das Wassernetz angeschlossen, das sowohl Frischwasser bietet, als auch Altwasser ableitet. Hier in Thailand kennt man das in der Art nicht.
Gleich bei meiner Ankunft in Bangkok wurde mir gesagt, dass man mit dem Wasser in Bangkok nicht so umgehen könne, wie in Deutschland.
Leitungswasser dürfe man hier nur trinken, wenn man es vorher abkoche.
Wenn es regnet, dann solle man so schnell wie möglich versuchen einen Unterstand zu finden.
Jedes Mal, wenn ich durch einen Regenschauer nass heimkomme, dann sagt mir Bachit (die Haushälterin), dass ich duschen gehen und meine Kleidung wechseln solle, da ich andernfalls krank werde. Und zur Zeit herrscht in Thailand Regenzeit d.h., dass es fast jeden Abend um 6 Uhr anfängt zu regnen.

Also musste ich mir schnell abgewöhnen, aus dem Hahnen Wasser zu trinken, sondern mir im Supermarkt Wasser in Flaschen zu kaufen oder daheim das Wasser zu trinken, das zuvor von einer Filteranlage gereinigt wurde.
Solch eine Filteranlage zu haben ist reiner Luxus und Wasserflaschen aus dem Supermarkt kosten auch Geld.
Hier gibt es wie bei uns “Markenwasser”, aber auch Wasser aus vielen sauberen Quellen aus Nordthailand – schon ab 5 Baht pro Liter.
Doch so manche Menschen in Bangkok haben selbst dafür kein Geld und trinken das Wasser aus den Wasserhähnen.
Das ist nicht unbedingt schlecht, aber kurz über lang gesundheitsschädlich.
Dieses ganze Wasserproblem hat viele Gründe, die schon vor vielen Jahrzehnten angefangen haben.
Ich habe mir das für einige Minuten vorgestellt und habe einige Gründe gefunden. Früher wurde Bangkok neben Stadt der Engel auch “Venedig des Ostens” genannt.
Zu diesem Namen ist Bangkok gekommen, da durch die ganze Stadt Kanäle flossen, auch Khlongs genannt. Durch Einzug neuer Technologie aus dem Westen wurden viele dieser Khlongs aufgefüllt und zu Strassen umfunktioniert – neue, “bessere” Verkehrswege wurden geschaffen, mit denen jeder glücklich war. Doch heutzutage gibt es in Bangkok so viele Menschen, dass diese Strassen nicht mehr ausreichen und so viel Wasser benötigt wird, wie noch nie zuvor.
Neue Strassen müssten gebaut werden, doch dazu gibt es keinen Platz mehr.
Also werden Highways über den Strassen gebaut, monströse, oft 8 spurige Strassen, die den Verkehr durch Bangkok leiten sollen. Doch selbst Massentransportsysteme wie das BTS Skytrain System im südlichen Bangkok oder U-Bahnen können die allmorgentlichen Staus nicht verhindern. Ich habe noch Glück, da meine Schule nur ein paar Kilometer von hier entfernt ist. Mein Bruder Don dagegen muss jeden Tag um 4:50 aufstehen, um rechtzeitig zur Schule zu kommen. In Bangkok hat man es irgendwie versäumt, ein gutes, funktionierendes Wassersystem aufzubauen. Kläranlagen, die das dreckige Abwasser filtern, gibt es so gut wie gar nicht. Das “Frischwasser” ist, wie schon erwähnt, nicht so sauber wie bei uns in Deutschland. Dass es keine Kläranlagen gibt, liegt am Geldmangel der Regierung für solche Projekte.
Thailänder verstehen nicht, warum sie für Abwasser bezahlen sollen. Man bezahlt nur für sauberes Wasser. So müssen, wenn die Regierung es für wichtig empfindet, diese Anlagen aus Staatsmitteln bauen und finanzieren. Da das Geld aber vielerorts fehlt, wird das Abwasser einfach in die noch vorhandenen Khlongs geleitet, die alle irgendwann ins Meer münden.
Selbst die Lebensader Thailands, der mächtige Chao Phraya River, ist meines Erachtens sehr stark verschmutzt.
Auf dem Fluss bin ich nur einmal für wenige Minuten gefahren, aber das was ich gesehen habe, war braunes, verdrecktes Wasser. Dieser Fluss fliesst durch viele asiatische Länder und wenn man all das Zeugs auch dort reinkippt, wie es hier in Bangkok geschieht, dann ist das auch kein Wunder. All diese Flüsse fliessen in Richtung Meer und man kann sich vorstellen was passiert, wenn Fische und anderes “Seafood” darin schwimmen und von Fischern gefangen werden. Genau, das Meeresgetier wird nach Bangkok gefahren und dann in den ungezählten Restaurants und Garküchen Bangkoks verspeist.

Das Umweltbewusstsein des Thais ist das komplette Gegenteil von meinem, von vielen Deutschen.
Ich laufe hier oft eine halbe Stunde lang mit Müll in meiner Hand herum, bis ich endlich an einen Mülleimer gelange. Die sind hier Mangelware. Ich habe Probleme damit, es meinen Brüdern gleichzutun, die den Müll einfach fallen lassen oder in die nächste Ecke pfeffern. Hier ist alles doppelt und dreifach verpackt und es entsteht dementsprechend viel mehr Abfall. Der grösste Teil davon landet wohl auf Strassen und Bürgersteigen. Vergleichbar mit dem sind vielleicht die Autobahnausfahrten in Deutschland, an dem sich Berge von Mc Donald’s Verpackungen sammeln. Hier sieht man das an jeder Ecke, niemand kümmert sich, wie es um sein Haus aussieht. Hauptsache der Müll ist “weg”, irgendjemand wird sich schon darum kümmern. Da dies von vielen Touristen nicht gerne gesehen wird, hat die Regierung an vielen Stellen Schilder aufgestellt. Auf diesen Schildern steht, dass das Wegwerfen von Müll (eine Zigarettenkippe reicht da schon) 2000 Baht kostet, ungefähr 40 Euro!
Man will schliesslich seinen gut Ruf behalten und weiterhin als “Land des Lächelns” bekannt sein.
Apropos Bürgersteige – Skateboarden kann man auf thailändischen Bürgersetigen nicht, behindertengerecht sind sie schon gar nicht.
Diese sind unregelmäsig, haben Mulden und Schlaglöcher. Immer wieder lese und höre ich, dass dies die Folgen einer Landsenkung im Grossraum Bangkok sind. Anscheinend soll sich die Oberfläche Bangkoks in den letzten 80 Jahren um bis zu 2 Meter nach unten bewegt haben. Wo früher Regenwald und Mangroven Wälder waren, steht heute eine Weltmetropole. Unter Bangkok gibt es auch nach 1 Kilometer in der Tiefe keinen festen Boden. Um die Pfeiler der Highways sieht man Mulden, in vielen Hausern Risse… Hauptverantwortlich dafür ist das Grundwasser. Da die Bevölkerung in Bangkok rasant zunimmt, wird immer mehr Wasser benötigt. Und da es kein funktionierendes Abwassersystem gibt, wird sich eben durch das Grundwasser beholfen. Es müssen immer tiefere Bohrungen gemacht werden, um an Wasser zu kommen und dadurch bekommt die Erde unter Bangkok “Löcher” und sackt ab. Was ich schon in Erdkunde Klasse 7 gelernt habe, bekomme ich jetzt erstaunlich nahe mit. Im Norden Thailands wurden/werden grosse Flächen tropischen Regenwalds abgeholzt. Dies hat fatale Folgen – der Boden trocknet aus, das Wasser kann sehr schlecht in den Boden eindringen und die noch verbliebene Erde wird duch dieses Wasser und durch Wind weggespült. Dort wachsen nur noch kleine Sträucher und Büsche. So muss überall tiefer gebohrt werden, um an Wasser zu gelangen. Zahlreiche Projekte, viele davon durch das thailändische Königshaus gestartet, versuchen etwas gegen dieses Problem zu unternehmen. Das alles könnte ich jetzt noch vertiefen, da das wie ein grosser Teufelskreislauf und Sog wirkt. Aber es gibt noch mehr, über das ich berichten will.


Über Politik in Thailand würde ich gerne schreiben. Da dieses Thema aber sehr komplex ist, belasse ich es auf ein paar Einsichten.
Von dem RTL Team, was mich in den ersten Tagen in Thailand begleitet hat, habe ich erfahren, dass Thailand schon seit geraumer Zeit “führungslos” ist.
Die letzten Wahlen wurden annulliert, da sehr viel schief ging und geschummelt wurde. Die Wahlen werden in wenigen Monaten wiederhohlt. Seine Majestät liegt schon seit langer Zeit im Krankenhaus, da er sich bei einem Sturz Verletzungen im Rückenbereich zugezogen hat. So ist das Parlament und andere derartige Einrichtungen nur notdürftig besetzt.
Ein grosses Problem in Thailand ist Korruption. Wer Geld hat, der hat Macht. Demzufolge müsste der Premierminister Thailands am meisten Macht haben. Mit etwa 38 Milliarden Baht ist der reichste Thailänder. So ist es auch.
Vor etwas mehr als 4 Monaten habe ich im Frankfurter und Bangkoker Flughafen Berichte über den Premierminister gesehen. In einer Ansprache hat er sich öffentlich bekannt, dass er sein Amt für seine Zwecke missbraucht hat. Doch jetzt ist er der 1. Premierminister, der eine volle Legislaturperiode überstanden hat.
Wie das wohl passiert ist?
Prostitution ist ein weiteres Thema auf meinem Zettel, das ich aber aussen vor lassen will. Jeder hat davon sein eigenes Bild, so habe ich meines.

Ich hoffe, dass euch mein Bericht gefallen hat und verbleibe mit Grüssen aus Thailand.

Thailand Report im August 2006

Ich lebe jetzt seit 4 Monaten in Thailand und bin bereit, einen grossen Bericht über die Hauptthemen Thailands, Probleme, Unterschiede, Auffaelligkeiten und über meine Erfahrungen zu schreiben.
Da ueberlegt man sich, wo man am Besten anfangen soll.
Ich entscheide mich fuer meine Familie.
Die 6 Personen, die ich von Anfang an kannte und ich mittlerweile wie eine richtige Familie ins Herz geschlossen habe. Warum rede ich von 6 Personen? Die 6. Person ist Bachit, die Haushaelterin. Eine sehr liebenswerte Seele, die fuer mich wie eine weitere Mae (thail.: Mutter) ist und mich auch so behandelt. Sie ist immer daheim, kocht, macht sauber und kauft ein. Meine Eltern sehe ich unter der Woche nie. Sie gehen morgens nach mir aus dem Haus und kommen spaet abends, nach 10 Uhr, heim. Bachit hilft mir mit meinen Hausaufgaben, die ich in thailaendischer Schrift zu erledigen habe, redet mit mir beim Abendessen, erklaert mir Dinge und versucht mir die Dinge so einfach wie nur moeglich zu machen. Sie hat mir dir Angst vor dem Benutzen der thailaendischen Sprache genommen. Am Anfang war es sehr schwer, sich mit ihr oder meinen Eltern zu unterhalten, da sie kein Englisch verstehen.
Deshalb wollte ich so schnell wie möglich Thai lernen, da ich wusste, dass darauf alles ankommt. Wenn man Thai kann, dann kann man sich logischerweise mit Thailaendern/innen verständigen (dazu spaeter mehr), kommt leichter ins Gespraech und man fuehlt sich nicht ausgegrenzt, wenn Familie oder Freunde miteinander Thai reden. Mittlerweile kann ich richtig gut Thai, bin sehr stolz darauf, das nach 4 Monaten geschafft zu haben – dies bedurfte harter Arbeit meinerseits und Geduld von Seiten meiner Familie. Bachit hat mir geholfen, fluessig und sicher zu reden, Freunde, Brueder und viele Buecher haben mir neue Woerter gelehrt. Ich musste wieder und wieder ueber meinen Schatten springen, um mich mit Leuten in Thai zu unterhalten und nicht auf Englisch. Die Verlockung ist natuerlich gross, mit Lehrern oder Freunden auf Englisch zu reden, da das die Sprache ist, die ich seit 6 Jahren lerne und die ich fliessend beherrsche. Aber da in meiner Schule keiner richtiges Englisch kann, ausser die Leute, die in Amerika waren und ich angefangen habe, manche englischen Redewendungen und Woerter (die grammatikalisch falsch sind) einfach zu uebernehmen, habe ich mit mir selber ausgemacht nur noch Thai zu sprechen.
Ich denke und traeume zwar in Englisch, aber ich versuche so gut es geht mit Thai auszukommen. Die Thai Grammatik beherrsche ich relativ gut. Das Thai hat keine Verlaufsformen, kennt keine Deklinationen oder Konjugationen und ist grammatikalisch einfach gehandhabt. Ganz anders sieht es da mit dem Lesen und dem Schreiben aus, ganz zu schweigen von der Aussprache. 3 Stunden Einzelunterricht pro Woche mit einer sehr guten Lehrerin brachten mich soweit, Thai lesen und schreiben zu koennen.
Da das Thai aber eine tonale Sprache ist, habe ich immer noch Schwierigkeiten Thai zu schreiben. Es gibt hunderte Regeln zu beachten, die von Thais alle schon im Kindergarten gelernt werden. Ich werde immer besser, aber es wird mit Sicherheit laenger als ein Jahr dauern, um einigermassen schreiben zu koennen. Mehr Wert lege ich in dieser Zeit allerdings auf Konversation!
Rebecca, eine Austauschschuelerin in unserer Schule aus Amerika, New York City, die in Thailand fuer 6 Wochen gelebt hat, wird am 18. August zurueckfliegen. Seit dieser Woche Monatg (07.08.06) gibt es an unserer Schule eine weitere Austauschschuelerin aus Alaska. Ihr Name ist Merley, 16 Jahre alt und sollte eigentlich bis Mai naechsten Jahres in Thailand leben. Da sie aber sehr starkes Heimweh hat, hat sie bereits Rotary (eine andere Schueleraustausch Organisation) gebeten, ein Rueckflugticket zu organisieren.
Ich hatte in den ganzen 4 Monaten kein Heimweh, ich werde aber fast taeglich von Leuten gefragt, ob ich Deutschland vermisse. Ich verneine dies immer und dann schaut man mich verdutzt an und fragt mich nach dem Grund.
Wenn man aber wie Marley mit Ja antwortet, dann wird man noch verdutzter angeschaut und man wird mit vielen Fragen konfrontiert. Ob man Thailand nicht moege, ob das Wetter zu heiß ist, ob man Thai Essen nicht vertraegt und und und.
An dieser Stelle will ich ein Lob an AFS Deutschland und AFS Thailand aussprechen, an das ganze Team, Freiwillige, ehrenamtliche Mitarbeiter und Angestellte. Ich wurde in Deutschland und hier in Thailand super auf diesen Austausch vorbereitet! Mir wurden wertvolle Informationen gegeben und konnte durch Erzaehlungen anderer Thailand Austauschschueler mir die Situation hier vorstellen. Dass diese Vorbereitungen und Camps geholfen haben, wird mir ganz besonders in Momenten klar, in denen ich mir die gleichen Fragen stelle, die gleichen Paralellen sehe, wie vorige Thailand- Austauschschueler es getan haben. Das hat geholfen, dass ich ich Situationen besser verstehe und einschaetzen kann.
Manchmal erscheint einem als Deutschem oder Europaer allgemein eine Situation als sehr fremd und unangenehm.
Das kann schon eine Situation sein, in der der Vater mit dem Sohn im strengen Ton redet. Der Farang (=Langnaesige Weisse) denkt, dass der Sohn etwas ausgefressen hat, dabei handelt es sich nur um eine normale Konversation. Dabei sind Thais nicht so temprament geladen wie Spanier, das ist etwas anderes, was den Ton streng klingen laesst. Viele kennen es, wenn sich Chinesen miteinander unterhalten und es klingt, als ob sie sich anschreien wuerden. Dem ist aber nicht so, es ist einfach die Tonlage und die vielen unbekannten Laute, speziell im Thai, die das so erscheinen lassen. Auf den ersten Blick sieht eben alles anders aus!
Ich muss mir selbst eingestehen, dass ich von manchen Dingen etwas voellig anderes gedacht habe, als es ist. Ich war schon mehrere Male mit meiner Familie in Thailand, als Tourist. Jetzt, wo ich hier lebe, werden mir viele Sachen erst richtig klar und lerne die Eigenschaften und die Mentalitaet der Thailaendern erst richtig kennen.
Sehr vieles davon ist mit der Religion, dem Koenigshaus und dem sehr starken Nationalgefuehl der Thais verbunden verbunden. All dies ist ueberall in Thailand allgegenwaertig. Es gibt zehntausende Tempel in Thailand, Moenche, Geisterhaueschen, ueberall sind Thai Flaggen, Flaggen des thail. Koenigshauses und buddh. Flaggen zu sehen, Bilder des Koenigs sind in jedem Haus zu finden, die Nationalhymne wird 2 mal taeglich in allen Radiostationen landesweit gespielt und schallt aus ungezaehlten Lautsprechern in ganz Thailand … Das hat ueber hunderte, tausende von Jahren das Denken der Thais entscheident bepraegt.
Thais leben nach dem “Prinzip” Sanuk, Sabai Sabai und GinKhau . Spass, das lockere Lebensgefuehl und Essen! Witzige Beispiele, die aber durchaus ernsthafte Hintergruende haben, sind in der Sprache zu finden. So gibt es kein wirklickes Wort fuer “Nein”. Das thail. Wort fuer “Ja” – “Chai” wird einfach durch einen verneinenden Partikel ergaenzt und so wird daraus “Nicht Ja” – Mai Chai. Thai sagen ungern, dass etwas schlecht ist. Das thail. Wort dafuer waere “Leo”, jedoch wird das von vielen als zu krass empfunden, obwohl es nur schlecht heisst. Dann wird lieber “Mai Dii” gesagt, woertlich “Nicht Gut”. Sabai Sabai konnte ich oft auf Baustellen, aber auch im Klassenzimmer sehen. Wenn Thais etwas herstellen, z.B. eine Mauer hochziehen, dann arbeitet einer, die anderen stehen daneben und schaun zu. Alles wird ganz locker genommen, sowas wie Zeiptplaene gibt es so gut wie nicht, es sei denn, dass fuer einen westlichen Bauauftraggeber gearbeitet wird. Ob
der dann aber auch eingehalten wird ist den Arbeitern selbst ueberlassen. Genauso wenig gibt es Fahrplaene fuer Busse, das ist aber wohl eher damit zu erklaeren, dass in Bangkok Dauerstau herrscht und man sich sowieso nie nach den Plaenen richten kann.
Im thail. Klassenzimmer spricht der Lehrer generell nur durchs Mikro zur Klasse. Es ist egal, ob man waehrend des Unterrichts schlaeft, telefoniert oder sich sonst wie amuesiert. Der Lehrer erfuellt seine Pflicht, indem er in der Klasse steht und versucht den Stoff beizubringen. Es ist jedem Schueler selbst ueberlassen, was er macht, jedoch sollte er bei den Examen entsprechend gut vorbereitet sein. Da wird dem Schueler “Sabai Sabai” leicht zum Verhaengnis. Auch ich habe mir nach und nach Scheiben dieses “Prinzips” abgeschnitten. Leistungsdruck kennt man in der Schule nicht, zumindest lassen es sich die thail. Schueler nicht anmerken. Ich habe allerdings keinen Leistungsdruck, aber das liegt hauptsaechlich daran, dass ich Austauschschueler bin und viel ueber Sprache und Kultur in der Schule zu lernen habe. Das nimmt viel Zeit in Anspruch, ist aber leichter zu lernen als Chemie oder Mathe
.”Sabai Sabai” gilt aber nicht, wenn es um Eltern oder aeltere Menschen in der Gesellschaft geht, hier wird nicht geschlampt, sondern immer Respekt gezeigt. Es gibt
in Thailand z.B. kaum Altersheime. Es git als Selbstverstaendlichkeit, dass man die Eltern im Alter im eigenen Haus unterbingt und pflegt. Sie haben einen immerhin das Leben geschenkt und jahrelang fuer einen gesorgt. Das wird den Eltern somit zurueckgegeben. Ein weiterer Liebesbeweis an die eigenen Eltern ist es, freiwillig einige Zeit im Tempel zu verbringen.
Es gilt als sehr grosse Ehre, wenn der Sohn ins Kloster eintritt. Von jedem Thai wird erwartet, mindestens einmal in seinem Leben fuer einige Zeit im Tempel zu verbringen. Oft wird dies vor Hochzeiten getan oder an Khau Pansa, ein Feiertag, der die Regenzeit einlaeutet. Nach diesem Tag essen viele Thailaender fuer 3 Monate kein Fleisch mehr. In meiner Familie macht das nur mein Vater, ein sehr religioeser Mann. Allerdings erwartet niemand in meiner Familie von mir, dass ich dies auch mache. Ich nehme sonst an allen religioesen Dingen teil, die meine Familie macht. Opfergaben an Geister, Tempelbesuche, Beten fuer den im Krankenhaus liegenden Koenig etc.
“GinKhau”, woertlich uebersetzt “Reis essen”, wird von den Thais mehrere Male taeglich “zelebriert”. Am Anfang habe ich mindestens 5 Mal taeglich gegessen, jetzt sind es meistens 4 Mal. Zelebriert deswegen, weil man nie alleine isst und immer Freunde oder Familie um sich herum hat, es stehen jedes Mal Schalen, Toepfe und Schuesseln in der Mitte des Tisches, aus denen alle essen und sich waehrenddessen ueber Gott und die Welt unterhalten.
Thais lieben es zu essen! Essen wird nicht als Handlung zum Stillen des Hungers empfunden, wie es bei uns der Fall ist. Nein, es dient vielmehr der Unterhaltung und der Vorbeugung von Langeweile. Wenn Thais gelangweilt sind, dann singen sie, spielen Gitarre, erzaehlen witzige Geschichten und essen natuerlich. Worauf ich als Thai sehr stolz waere, ist die Musik. Ich kenne kein anderes Volk, das so viele verschiedene Musiktypen hat. Neben den westlichen Musikrichtungen wie Pop, HipHop, R’n'B etc gibt es in Thailand noch viele weitere Toene. Ob man diese als eigene Musikrichtungen bezeichnen kann weiss ich nicht, fuer mich sind sie dies jedenfalls.
Ich spiele in der Schule Sor-u und Gkong Yao. Gkong Yao ist eine grosse Trommel, es bedarf jedoch nicht viel Geschick, um das spielen zu koennen. Nur etwas Zeit und Rhythmus. Sor-u hat sich fuer mich erst so angehoert, als wuerde eine Katze weinen. Wer schon mal in einem MuayThai fight war, weiss von was ich rede. Solche Toene habe ich in Deutschland noch nie gehoert, war sehr gewoehnungsbeduerftig.
Man hoert im -thailaendischen Radio- nur Thai Songs. Sowohl Songs, die man bei uns als Schlager bezeichnen koennte, Country Musik und modernen Pop, alles in Thai. 2 meiner Brueder singen jedes Mal mit, wenn das Radio laeuft. Die sind wie wandelnde Musik- Scriptbuecher. Die kennen jede Strophe von jedem Lied, das auf den ‘Pop Musik’ Stationen laeuft. Es gibt auch viele Radiostationen, die ausschlieslich englische Musik spielen, aber die sind bei weitem nicht so beliebt. Keinem Thai ist es peinlich die Nationahymne zu singen (welche insgesamt mehr als 300 Strophen hat, von denen aber nur einige im Radio gespielt werden und in der Schule gesungen werden). Genauso wenig scheut sich ein Thai davor, laut auf der Strasse, bei der Arbeit oder in der Schule zu singen. In Deutschland scheint das fuer mich nur schwer realisierbar zu sein. Die Nationahymne wird so gut wie nie gespielt, lediglich bei Fussballspielen oder wenn Schumacher mal wieder gewinnt.
Ich habe die Deutsche Nationahymne in der 8. Klasse des Gymnasiums “gelernt” und bei AFS war es Voraussetzung die Nationahymne seines Vaterlandes singen zu koennen. In Thailand lernen die Kinder schon im Kindergarten die komplette, 300 Strophen umfassende, Nationahymne zu singen.
Same, Same but different . Dieser Satz begegnet mir immer wieder, sowohl in Broschueren, beim Feilschen auf dem Markt oder denke ich mir genau dies, wenn ich durch die Strassen Bangkoks laufe.
Diese Weltmetropole scheint gleich wie all die anderen zu sein – aber das ist sie nicht! Wer genauer hinschaut, sich genug Zeit nimmt zu entdecken und mit Menschen redet, die in dieser Stadt leben, der wird sich genau wie ich in diese Stadt verlieben.
Es war keineswegs Pech, wie manche meiner Freunde meinten, dass ich in Bangkok leben “muss” (ich empfinde es als “duerfen”). Ich wuerde anscheinend nichts mit Thailand zu tun haben werden, nur “gefaellschte” thailaendische Kultur kennenlernen, die durch den westlichen Einfluss kaputt gemacht wurde. Dem ist nicht so! Ich mag vielleicht nicht exakt das erleben, was andere Austauschschueler in Nordthailand erleben, aber dieser “Lifestyle” in Bangkok, wird von mehr als 12 Millionen Thais ausgeuebt, praktisch jedem 6. Thailaender!

Das war das Beste, was mir passieren konnte!!!



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